Die Nahe Schwelle, D 2004

DV/Super 8, 15 Min., Im Verleih von arsenal experimental
DIE NAHE SCHWELLE ist eine persönliche Reflexion über das Wesen der Erinnerung und ihre Verflechtung mit Gefühlskomplexen wie Verlust und Trauer, Familiengeschichte und Imagination. Die Annäherung bewegt sich bewußt im Spannungsfeld von Erkenntnis und Vermutung, Ahnung und Verdrängung. Ausgangspunkt für die Frage nach der eigenen Identität ist der als traumatisch empfundene Tod des geliebten Großvaters. Die Erinnerung an ihn entstammt den Fotografien und Filmen des Großvaters, die gemeinsame Leidenschaft für das Bild, die Fotografie,das Meer, die Musik schlägt eine Brücke über den Tod hinaus. Fragen schließen sich daran an: Wie konstituiert sich Erinnerung: Aus Erzählungen, aus Bildern, aus Schmerz, aus Freude …? Wiegestalt ist das Wesen der Impulse, die aus der Vergangenheit stammend in die Gegenwart dringen? Der Großvater wird zum Zeichen der eigenen Identität in der Projektion und Imagination.
Die Verflechtung von Filmaufnahmen und Fotografien des Regisseurs und seines Großvaters lassen in der Montage behutsam ein Gefühl der Liebe anklingen und bringen die visuelle Kraft der Super8-Aufnahmen des Großvaters ebenso zum Ausdruck, wie die entschiedene Tendenz zur Klarheit und atmosphärischen Leere in den Bildern des Regisseurs. Diese Leere in einer weißen Schneelandschaft, einem vorbeiziehenden Himmel, einer Aufnahme Lissabons erzeugt im visuellen Sinn eine melancholische Stille, die dem Zuschauer Raum läßt, seine Gedanken schweifen zu lassen, und sich seine eigene Familiengeschichte zu imaginieren. Die äußerst persönlichen Selbstporträts verweisen auf den schmerzhaften Prozeß der Selbstfindung, der niemals abgeschlossen sein wird.
Das sanftmütige Lächeln des Großvaters, als er am Strand den Sand durch seine Finger rinnen läßt, wird im Kontext dieses Filmes zum tröstlichen Zeichen der Akzeptanz des Vergehens der Zeit und damit auch des Todes.
Angelika Hoch